23/10/2019, 18:00
Bolzano/Bozen

Vermögen und Verwandtschaft

Präsentation und Gesprächsrunde

Wie bestimmen Frauen über ihren Finanzen innerhalb des Familiengeflechts – früher und heute? Darüber diskutieren die Historikerin Siglinde Clementi und die Frauenrechtsexpertin Marcella Pirrone im Frauenarchiv Bozen.

 

Öffentliche Vorstellung
VERMÖGEN UND VERWANDTSCHAFT
PATRIMONIO E PARENTELA
Geschichte und Region / Storia e regione 27 (2018), 2

 

23/10/2019
18.00 Uhr

Frauenarchiv, Bozen

mit
SIGLINDE CLEMENTI
Historikerin und Herausgeberin des Heftes

MARCELLA PIRRONE
Rechtsanwältin, Frauenrechtsexpertin

Unabhängigkeit bedeutet (auch), frei über Vermögen, Besitz und Geld verfügen zu können. Dies galt und gilt nicht nur für Frauen. Dennoch sind, zumindest in historischer Perspektive, für sie die Möglichkeiten dazu eingeschränkter. Ist es heute gewiss leichter für Frauen, eigenständig Einkommen zu verdienen und darüber zu verfügen, sind damit zusammenhängende Fragen in der Praxis dennoch bisweilen ein Pulverfass latenter Konflikte, die vor allem innerhalb der Familie immer wieder neu ausgehandelt werden müssen. Das gilt selbstredend auch für die Vergangenheit.

Welche Vorlagen bieten und boten hierfür rechtliche Regelungen, welche Möglichkeiten gibt und gab es in diesem Spannungsfeld, wie gestaltet und gestaltete sich die Rechtspraxis? Über diese Fragen sprechen die Rechtsanwältin und Frauenrechtsexpertin Marcella Pirrone und die Historikerin Siglinde Clementi (Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte, Freie Universität Bozen).

Clementi hat zusammen mit der britischen Historikerin Janine Maegraith kürzlich das Themenheft „Vermögen und Verwandtschaft / Patrimonio e parentela“ der Bozner Zeitschrift „Geschichte und Region / Storia e regione“ herausgebracht, worin das Verhältnis zwischen Rechtsnorm und Rechtspraxis im Umgang mit dem Familienvermögen untersucht wurde. Sechs Analysen aus verschiedenen Regionen, untern anderem zum historischen Tirol, zeigen die Bandbreite historischer Möglichkeiten innerfamiliärer Finanzgebahrung auf. Die Heirat und das Erbe stellten zentrale und brisante Momente der Vermögensübertragung unter Verwandten dar und wurden deshalb auch penibel durch Verträge, Testamente und Vereinbarungen geregelt. Diese dienten nicht nur der innerfamiliären Besitzaufteilung und der finanziellen Absicherung der Frauen, sondern boten auch die Möglichkeit, weitreichende Familienbande zu knüpfen. Dabei war das Konfliktpotential groß: Verschiedene Interessenslagen trafen aufeinander und mussten im Austausch zwischen Generationen und Geschlechtern geregelt werden.

So unterschiedlich die Handlungsspielräume für Frauen in der Vergangenheit waren, so facettenreich ist die Situation noch heute, wenngleich sich die Konfliktzonen verschoben haben dürften: Zwar sind auch gegenwärtig Erbschaftsfragen und Ehereglements trotz der romantischen Überhöhung von Ehe- und Familienbeziehungen noch wichtig als Basis für das finanzielle Arrangement von Familien, das Konfliktspektrum hat sich aber wesentlich erweitert. Die „neuen“ Fragen kreisen um den Themenkomplex Trennung, Scheidung und Unterhalt für Partner und Kinder, um die noch immer ungeklärte Problematik der (unbezahlten) Pflegearbeit, um die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie, um die finanzielle Sicherheit von Jungfamilien und die Altersarmut usw.

 

Eine Veranstaltung von
Geschichte und Region / Storia e regione
Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte, Freie Universität Bozen / Centro competenza Storia regionale, Libera Università di Bolzano
Frauenarchiv, Bozen / Archivio storico delle donne, Bolzano